Eine offene Stahlsafe enthält links viele kleine Hardware-Wallets, rechts ein Server-Rack mit blinkenden LEDs und in der

Verzerrung durch den “Look-Through”-Effekt bei ETFs und Pensionsfonds – Analyse der Bitcoin-Besitzverteilung im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen

Die Diskussion um eine mögliche Zentralisierung von Bitcoin durch Exchange-Traded-Funds (ETFs) und große Konzerne sorgt bei vielen Anlegern für Unsicherheit. Aktuelle Analysen von River Financial zeigen jedoch, dass Privatpersonen mit einem klaren Mehrheitsanteil von 79,6 % des bereinigten Bitcoin-Bestands nach wie vor die dominierende Eigentümergruppe darstellen – deutlich mehr als bei Gold (47,4 %), Aktien (41,6 %) und Anleihen (11,8 %). Dieser Artikel beleuchtet, wie methodische Besonderheiten wie der “Look-Through”-Effekt die Zahlen verfälschen können, welche historischen Trends die Dezentralisierung stützen und welche Risiken und Chancen die fortschreitende Institutionalisierung mit sich bringt.

Bitcoin-Besitzverteilung im Überblick

Laut dem River-Adoption-Report 2026 besitzen Privatpersonen nach Bereinigung um verlorene Coins und nicht geschürfte Satoshis 79,6 % des zirkulierenden Bitcoin-Angebots. Im Vergleich dazu liegt der Anteil von Institutionen, darunter ETFs, Treasury-Unternehmen und staatliche Akteure, bei rund 20 % des Gesamtvolumens. Im gleichen Zeitraum (2025) flossen etwa 696.000 BTC aus Retail- und Alt-Wallet-Beständen in regulierte Vehikel, während Institutionen netto rund 829.000 BTC akkumulierten.

Vergleich mit Gold, Aktien und Anleihen

  • Gold (Privatbesitz, ohne Schmuck und Industrie): 47,4 % (2026)
  • Aktien (direkter Privatbesitz): 41,6 % (2026)
  • Anleihen (direkter Privatbesitz): 11,8 % (2026)
  • Bitcoin (bereinigt): 79,6 % (2026)

Diese Zahlen stammen aus dem River-Report “Who owns the major asset classes?” (2026) und belegen, dass Bitcoin die einzige große Anlageklasse ist, bei der die absolute Mehrheit des Bestands in Privathand liegt.

Der “Look-Through”-Effekt bei ETFs und Pensionsfonds

Bei traditionellen Wertpapieren werden Fonds, 401(k)-Pläne und Trusts in offiziellen Statistiken häufig dem institutionellen Sektor zugeordnet, obwohl die wirtschaftlichen Begünstigten fast ausschließlich private Haushalte sind. Ein ähnlicher Verzerrungseffekt lässt sich bei Bitcoin beobachten. US-Spot-ETFs weisen laut 13F-Meldungen und Broker-Auswertungen schätzungsweise 70-80 % ihres verwalteten Volumens auf Endkunden, werden on-chain jedoch vollständig als institutionelle Verwahrung verbucht. Das bedeutet, dass die tatsächliche Beteiligung privater Anleger an ETFs deutlich höher ist als die on-chain-Daten vermuten lassen.

  • Geschätzter Retail-Anteil am Bitcoin-Spot-ETF-Volumen (Non-13F Filings, 2026): ca. 79 %
  • Privater Aktienbesitz in US-Haushalten über Pensions- und Investmentfonds (Look-Through, 2024): über 50 % (Federal Reserve Z.1 Financial Accounts)

Der Artikel von River verdeutlicht, dass die Erfassungsmethode den Retail-Anteil unterschätzt und damit ein verzerrtes Bild der institutionellen Dominanz erzeugt.

Historischer Trend: Dezentralisierung durch Kleinanleger (“Shrimps”)

Langzeit-On-Chain-Analysen von Glassnode (2023) zeigen, dass Entitäten mit weniger als 1 BTC (“Shrimps”) und solche mit 1-10 BTC (“Crabs”) über mehrere Jahre hinweg einen wachsenden Anteil am zirkulierenden Angebot aufgebaut haben. Im Zeitraum von zwei Jahren bis 2025 wuchs der Angebotsanteil von Kleinst-Entitäten um mehr als 1,0 Millionen BTC. Dieser Trend widerspricht der Annahme einer zunehmenden Konzentration durch große “Wale”.

  • Zuwachs des Angebotsanteils von Kleinst-Entitäten (2 Jahre, 2025): > 1,0 Mio. BTC (River Adoption Report / Checkonchain-Daten)
  • Institutionelle Netto-Akkumulation (ETFs, Unternehmen, Staaten, 2025): ca. 829.000 BTC (River Research Gesamtauswertung)

Im Rekordjahr 2025 verzeichnete das Netzwerk einen Netto-Abfluss von 696.000 BTC aus Retail- und Alt-Wallet-Beständen, hauptsächlich weil tiefgreifende ETF-Märkte den Alt-Haltern ermöglichten, Gewinne zu realisieren, ohne den Marktpreis übermäßig zu belasten.

Institutionalisierung und zukünftige Entwicklung

Seit der Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs im Januar 2024 haben Institutionelle Produkte von BlackRock, Fidelity und anderen über 1,2 Mio. BTC akkumuliert. Strategy hält 848.517 BTC und bleibt damit mit rund 4 % des Gesamtangebots unter der US-Meldegrenze von 5 %. River prognostiziert, dass sich die Eigentumsverhältnisse bis 2035 stärker institutionell ausrichten werden – ein Trend, der sich bereits in den letzten Jahren abzeichnet, aber noch nicht die aktuelle Dominanz der Privatpersonen verdrängt hat.

Die Dezentralität des Netzwerks bleibt jedoch bestehen: Im Proof-of-Work-Konsens verleihen Besitzanteile keinerlei Governance- oder Stimmrechte. Selbst große institutionelle Bestände können keine Protokoll-Upgrades oder Transaktionszensur kontrollieren.

Methodische Grenzen und Gegenargumente

  • Apfel-mit-Birnen-Problem: Bitcoin- und Gold-Daten beruhen auf globalen Beständen, während Aktien- und Anleihe-Statistiken häufig nur US-Zentralbankdaten (Fed Z.1) abbilden. Das erschwert direkte Vergleichbarkeit.
  • Residual-Erfassungsmethode für “Privatpersonen”: On-Chain-Modelle klassifizieren jede nicht zugeordnete Wallet als privat. Unbekannte Konzerne oder Family Offices können dadurch fälschlich in die Privat-Statistik einfließen.

Beide Punkte zeigen, dass die genannten Prozentsätze als Annäherungen zu verstehen sind und von den zugrunde liegenden Annahmen abhängen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum unterscheidet sich die Zahl 79,6 % von früheren Angaben wie 66,6 %?Die 66,6 % bezogen sich auf das absolute Maximum von 21 Mio. BTC, inklusive ungeschürfter Coins, verlorener Bestände und der Satoshi-Wallets. Die 79,6 % bereinigen den Nenner um diese nicht zirkulierenden Einheiten und betrachten ausschließlich die tatsächlich verfügbare Umlaufmenge.Werden Spot-ETFs in der Statistik als Institutionen oder als Privatpersonen gewertet?On-chain werden Spot-ETFs den institutionellen Verwahrern (z. B. Coinbase Custody) zugeordnet. Da jedoch ein Großteil der Anteile von Privatanlegern über Broker gehalten wird, ist der reale ökonomische Privat-Besitz faktisch höher als die reine On-chain-Zahl vermuten lässt.Gefährdet die Zunahme institutioneller BTC-Bestände die Sicherheit des Netzwerks?Nein. Im Proof-of-Work-Konsens besitzen Coins keinerlei Governance- oder Stimmrechte. Auch sehr große institutionelle Bestände können das Protokoll nicht steuern.

Fazit

Die vorliegenden Daten von River Financial, Glassnode und weiteren Quellen belegen eindeutig, dass Privatpersonen mit einem bereinigten Anteil von 79,6 % weiterhin die dominierende Eigentümergruppe von Bitcoin darstellen – ein deutlich höherer Prozentsatz als bei Gold, Aktien oder Anleihen. Der oft zitierte “Look-Through”-Effekt führt jedoch zu einer Unterschätzung des tatsächlichen Retail-Anteils, insbesondere bei Spot-ETFs, wo 70-80 % der verwalteten Volumen von Endkunden stammen. Historische On-Chain-Analysen zeigen zudem, dass die Dezentralisierung durch Kleinanleger (Shrimps und Crabs) über Jahre hinweg beständig wächst, während institutionelle Netto-Akkumulationen zwar zunehmen, aber bislang nicht die Gesamtstruktur dominieren. Methodische Beschränkungen – wie die unterschiedliche Basis von Vergleichsdaten und die Residual-Klassifizierung von Wallets – sollten bei der Interpretation der Zahlen stets beachtet werden. Insgesamt bleibt Bitcoin trotz wachsender Institutionalisierung ein dezentral organisiertes Netzwerk, dessen Besitzstruktur sich zwar künftig weiter a la Gold angleichen könnte, jedoch gegenwärtig stark von privaten Akteuren getragen wird.