Der Krypto-Markt befindet sich im Wandel: Das Bundesfinanzministerium plant ab 2027 eine grundlegende Reform der Besteuerung von Kryptowährungen, institutionelle Akteure bringen neue XRP-Treasuries an die Nasdaq, und ein spektakulärer Hack bei Bitget hat rund 387 Millionen US-Dollar gekostet. Gleichzeitig investieren große Unternehmen in Bitcoin, Vitalik Buterin kündigt einen radikalen Ethereum-Umbau an, und Analysten wie die Citigroup erhöhen ihre Kursziele. Dieser Pressespiegel fasst die wichtigsten Fakten, Zahlen und Risiken zusammen – ausschließlich auf Basis der vorliegenden Quellen.
Geplante Abschaffung der Bitcoin-Haltefrist ab 2027 – Details der Krypto-Steuerreform
Ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 30. September 2026 sieht vor, die einjährige Spekulationsfrist nach § 23 EStG für neu gekaufte Bitcoin und Ether abzuschaffen. Stattdessen werden Veräußerungsgewinne ab dem 1. Januar 2027 den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) zugeordnet. Für Bestände, die bis zum 31. Dezember 2026 erworben wurden, bleibt der bisherige Bestandsschutz bestehen.
- Effektiver Steuersatz ab 2027: 26,375 % (25 % Abgeltungsteuer zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag).
- Frist für Verbandsstellungnahmen: 06.10.2026 – Kabinettsbeschluss ist für den 14.10.2026 geplant.
- Pauschale Bemessungsgrundlage bei fehlenden Anschaffungsdaten ab 2028: 50 % des Verkaufserlöses.
- Erwartetes Steuermehraufkommen ab 2029: 350 Millionen Euro pro Jahr.
Der Entwurf stärkt die Transparenz, wirft jedoch verfassungsrechtliche Bedenken auf, weil die Kapitalertragsbesteuerung von physischen Vermögenswerten (Gold, Fremdwährungen) nicht auf digitale Token ausgedehnt wird.
Institutionelle XRP-Treasury: Evernorth-SPAC-Fusion und Marktimplikationen
Am 30. September 2026 schlossen die Aktionäre von Armada Acquisition Corp. II mit einer Zustimmung von fast 94 % die Fusion mit Evernorth ab. Die Transaktion brachte einen XRP-Bestand von 473 Millionen XRP (bei einem Schätzkurs von 1,50 USD ein Kapitalwert von ca. 710 Millionen USD) und zusätzlich rund 300 Millionen USD frisches Kapital.
- Börsenstart von XRPN an der Nasdaq: 08.10.2026 (Closing am 07.10.2026).
- Rücknahmerechte der SPAC-Investoren: 80 % des Treuhandguthabens wurden vor Abschluss eingezogen.
- Verbleibender Free-Float nach der Fusion: 48 Millionen USD.
Der stark reduzierte Streubesitz kann zu überproportionalen Kursbewegungen führen, weil die Liquidität des börsennotierten XRP-Treasury begrenzt ist.
Bitget-Hack 2026 – Angriffsvektor, Verluste und Analyse
Im September 2026 wurde Bitget Ziel eines groß angelegten Angriffs, bei dem ausschließlich Hot-Wallets über kompromittierte Back-Ends ausgeleert wurden. Cold-Wallets blieben unberührt. Die Angreifer verfolgten ein Wash-Trading-Szenario über vier Blockchains, um die Herkunft der gestohlenen Vermögenswerte zu verschleiern.
- Gesamtverlust: 387,5 Millionen USD (inkl. verschiedener Token).
- Verteilung der initialen Abflüsse: Ethereum 49,7 %, XRP-Ledger 40,8 %, Zcash 7,6 %, Tron 1,8 %.
- Chainalysis-Analyse reduzierte den manuellen Prüfaufwand von über 20 Stunden auf 10 Minuten.
Die Untersuchung von Chainalysis ordnet den Diebstahl nordkoreanischen Akteuren zu und zeigt, dass das gesamte von der DPRK im Jahr 2025 gestohlene Krypto-Volumen bereits über 2 Milliarden USD lag – der Bitget-Fall erhöht das Jahresvolumen auf über 1 Milliarde USD.
Institutionelle Bitcoin- und Ether-Reserven – Strategy und Strive
Die Unternehmen Strategy und Strive haben gemeinsam 2.773 BTC für rund 232,5 Millionen USD erworben. Damit hält Strategy mehr als vier Prozent aller jemals verfügbaren Bitcoin. Bei einem Bitcoin-Preis von etwa 85.000 USD entspricht das einem Bestand von über 72 Milliarden USD.
- Strategisches Ziel: Ausbau der Reserven in der Seitwärtsphase des Marktes.
- Strive erweitert seine Position nach der Übernahme von Semler Scientific und strebt eine Top-5-Platzierung unter den Corporate Holders an.
Diese Käufe unterstreichen das wachsende institutionelle Interesse an Bitcoin, das gleichzeitig die Marktkonzentration erhöht.
Weitere Marktentwicklungen: Vitalik Buterin, Bitcoin Cash und Citigroup-Kursziele
Vitalik Buterin plant bis zum Ende des Jahrzehnts einen radikalen Umbau von Ethereum zu einem „kryptografischen Weltcomputer“. Die geplanten Upgrades (Glamsterdam, Hegotá) sollen klassische Hard Forks ersetzen und das Netzwerk quantensicher machen.
Bitcoin Cash (BCH) erlebte am 22. September 2026 einen Kursanstieg von 31 % nach Ankündigung von CME-Futures, verlor jedoch innerhalb einer Woche wieder an Wert und lag bei etwa 305 USD. Die Futures starten am 19. Oktober mit Kontrakten von 250 BCH bzw. 25 BCH.
Die Citigroup hat ihr 12-Monats-Kursziel für Bitcoin von 82.000 USD auf 113.000 USD und für Ether von 2.240 USD auf 3.028 USD angehoben. Die Bank begründet das mit stärkerer Marktaktivität, einem günstigen makroökonomischen Umfeld und erwarteten Zuflüssen von rund 5 Milliarden USD in Krypto-Anlageprodukte.
Risiken und Gegenstimmen – Verfassungsrechtliche Bedenken und Liquiditätsrisiken
Die geplante Steuerreform stößt auf verfassungsrechtliche Kritik: Die unterschiedliche Behandlung von Kryptowährungen gegenüber physischen Kapitalanlagen könnte zu Rechtsstreitigkeiten führen und Kapitalflüsse ins Ausland begünstigen.
Im Bereich der institutionellen XRP-Treasuries wird das hohe Rücknahmerisiko (80 % Rücknahmequote) als potenzielle Gefahr für die Kursstabilität gesehen, weil ein stark verkleinerter Free-Float zu volatilen Preisbewegungen führen kann.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bleiben bestehende Krypto-Bestände von 2026 steuerfrei, wenn ich sie länger als ein Jahr hielt?Ja. Bestände, die bis zum 31.12.2026 erworben wurden, bleiben unter der bestehenden Haltefrist steuerfrei, auch wenn sie länger als ein Jahr gehalten werden.Hat der Bitget-Hack den Kundencold-Storage gefährdet?Nein. Der Exploit betraf ausschließlich Hot-Wallets; Cold-Wallets blieben unberührt.Welche Blockchains spielten bei der Bitget-Betrugsfolge eine Rolle?Ethereum, XRP, Zcash und Tron – mit Ethereum als größtem Anteil (49,7 %) am initialen Abfluss.
Fazit
Der Krypto-Pressespiegel 2026 zeigt ein komplexes Bild: Während institutionelle Akteure ihre Positionen in Bitcoin, Ether und XRP massiv ausbauen und neue regulatorische Rahmenbedingungen die Besteuerung von Krypto-Gewinnen neu definieren, erhöhen gleichzeitig Sicherheitsvorfälle und rechtliche Unsicherheiten die Risiken für Anleger. Die geplante Abschaffung der einjährigen Haltefrist wird die Steuerlandschaft für deutsche Privatanleger grundlegend verändern, die Evernorth-Fusion demonstriert die wachsende Verflechtung von SPAC-Strukturen und Krypto-Treasuries, und der Bitget-Hack verdeutlicht die Notwendigkeit robuster Sicherheits- und Analyse-Tools. Anleger sollten daher die regulatorischen Entwicklungen, die Liquiditätslage von börsennotierten Treasuries und die fortschreitende Professionalisierung des Marktes genau beobachten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.







