Der US-Kongress hat im Herbst 2026 zwei zentrale Gesetzesinitiativen vorangebracht, die das regulatorische Umfeld für digitale Vermögenswerte nachhaltig prägen könnten. Der American Reserve Modernization Act (ARMA, H.R. 8957) soll eine staatliche Bitcoin-Reserve etablieren, während der Digital Asset Tax Certainty Act (H.R. 10357) klare steuerliche Rahmenbedingungen für Nutzer schafft. Parallel dazu plant die Deutsche Bank den Aufbau einer regulierten Krypto-Verwahrung in Europa. Gleichzeitig rücken langfristige technologische Risiken – vor allem durch die Entwicklung von Quantencomputern – in den Fokus.
US-Repräsentantenhaus bringt Bitcoin-Reserve und Krypto-Steuergesetz voran
Im Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses wurde der ARMA mit 28 zu 21 Stimmen gebilligt. Der Gesetzentwurf legt fest, dass das Finanzministerium beschlagnahmte Bitcoin-Bestände – geschätzt 198.000 bis 324.527 BTC im Jahr 2026 – zentral verwahren und mindestens 20 Jahre halten muss. Neuverschuldete Käufe am offenen Markt sind ausdrücklich ausgeschlossen; stattdessen sollen vorhandene Bestände durch budgetneutrale Maßnahmen wie den Tausch unqualifizierter Altcoins oder Strafzahlungen finanziert werden. Die Mindesthaltefrist von 20 Jahren gilt ab Inkrafttreten, und das Finanzministerium soll zwei Jahre vor Ablauf Empfehlungen zur weiteren Verwaltung abgeben.
Parallel dazu hat das Ways and Means Committee den Digital Asset Tax Certainty Act mit 38 zu 5 Stimmen angenommen. Das Gesetz führt eine De-minimis-Freigrenze für Netzwerk- und Transaktionsgebühren von bis zu 10 USD ein (max. 5.000 Transaktionen pro Jahr) und wendet erstmals Wash-Sale-Regeln auf Kryptowährungen an, um künstliche Steuerverluste zu verhindern.
Beide Vorhaben müssen noch das gesamte Repräsentantenhaus, den Senat und den Präsidenten passieren, bevor sie Rechtskraft erlangen.
Details zum ARMA-Gesetz
- Gesetzlicher Rahmen für die strategische Bitcoin-Reserve der US-Regierung.
- Geschätzter Bestand: 198.000-324.527 BTC, hauptsächlich aus strafrechtlichen Einziehungen (z. B. Silk Road, Prince Group).
- Keine kreditfinanzierten Zukäufe; budgetneutrale Finanzierung über Altcoin-Verkäufe, Strafzahlungen oder Tausch von Digital-Asset-Beständen.
- Mindesthaltefrist: 20 Jahre, mit Empfehlung zur Teilveräußerung von bis zu 10 % innerhalb von zwei Jahren vor Fristablauf.
- Transparenz: Jahresweise öffentliche Nachweise über Bestände und Private-Key-Kontrolle.
Details zum Digital Asset Tax Certainty Act
- De-minimis-Grenze für Transaktionsgebühren: 10 USD (keine Gewinn-/Verlustrealisierung bis zu dieser Grenze).
- Wash-Sale-Regelung wird auf Kryptowährungen ausgeweitet, um sofortige Rückkäufe nach Verlustrealisierung zu verhindern.
- Erweiterte Regeln für Stablecoins, Krypto-Spenden, Leihgeschäfte und bestimmte Netzwerk-Gebühren.
- Erwarteter Nettoanstieg der Staatseinnahmen: ca. 500 Mio. USD über den Betrachtungszeitraum.
Deutsche Bank: Institutionelle Krypto-Verwahrung unter MiCA-Aufsicht
Die Deutsche Bank plant, vorbehaltlich der BaFin-Zulassung und der EU-Verordnung MiCA, bis Ende 2026 einen Verwahrungsdienst für institutionelle und gewerbliche Kunden anzubieten. In Kooperation mit dem Schweizer Spezialisten Taurus und Bitpanda sollen Bitcoin (BTC), Ether (ETH) sowie regulierte Stablecoins (USDC, EURC, EURAU) in getrennten Warm- und Cold-Storage-Umgebungen verwahrt werden.
- Geplante Assets: BTC, ETH, USDC, EURC, EURAU.
- Technische Umsetzung: Kombination aus Cold-Storage (offline) und Warm-Storage (online) zur Optimierung von Sicherheit und Liquidität.
- Regulatorischer Rahmen: BaFin- und MiCA-Lizenzierung, damit die Verwahrung rechtlich abgesichert ist.
Dieser Schritt senkt die institutionellen Eintrittsbarrieren in den Kryptomarkt, differenziert jedoch klar von risikoreichen Angeboten wie Cloud-Mining-Plattformen, die unrealistische Renditeversprechen von über 1.600 USD pro Tag bieten.
Technologische Risiken: Quantencomputer als langfristige Bedrohung
Das US-Energie-Ministerium hat im Rahmen der Quantum Genesis Q Initiative ein Budget von 215 Mio. USD bereitgestellt, um bis 2028 leistungsfähige Quantencomputer zu entwickeln. Ziel ist zunächst das Erreichen von mindestens 100 logischen Qubits. Für das Brechen der in Bitcoin genutzten secp256k1-Elliptischen-Kurve wird jedoch ein deutlich höherer Aufwand geschätzt: 1.200 bis 1.450 logische Qubits sind erforderlich, um den Shor-Algorithmus erfolgreich anzuwenden.
- Aktueller Stand: Keine existierenden Quantencomputer verfügen über die notwendige Fehlertoleranz.
- Risiko: Etwa 30,2 % des gesamten Bitcoin-Angebots haben einen öffentlich sichtbaren Public Key, was potenziell angreifbar wäre.
- Gegenmaßnahmen: Forschung zu post-quantum-Kryptografie (BIP 360/361) wird diskutiert; eine globale Migration könnte Jahre dauern.
Gegenpole und Risiken
- Legislative Unsicherheit: Die Billigung im Ausschuss garantiert nicht die Verabschiedung im Plenum oder im Senat – frühere Vorhaben wie der CLARITY Act scheiterten knapp.
- Unrealistische Renditeversprechen: Plattformen wie EiCrypto werben mit Tagesgewinnen von über 1.600 USD; solche Versprechen bergen ein hohes Totalverlust-Risiko.
- Migrationsaufwand bei Post-Quantum-Kryptografie: Sollte die Quantenbedrohung real werden, erfordert die Umstellung auf quantensichere Signaturen weltweiten Konsens und betrifft insbesondere inaktive Alt-Adressen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Frage: Kauft die US-Regierung jetzt aktiv Bitcoin am Markt?
Antwort: Nein. Der Gesetzentwurf H.R. 8957 verbietet schuldenfinanzierte Käufe und sieht vor, dass vor allem bereits beschlagnahmte Bestände zentral verwahrt werden.
Frage: Welche steuerliche Erleichterung bringt der Tax Certainty Act für normale Nutzer?
Antwort: Für Transaktions- und Netzwerkgebühren bis zu 10 USD entfällt künftig die aufwendige Einzelabrechnung von Kursgewinnen, was Mikrozahlungen im Alltag erleichtert.
Frage: Können Quantencomputer Bitcoin heute schon entschlüsseln?
Antwort: Nein. Aktuelle Systeme verfügen nur über fehleranfällige physikalische Qubits; für den relevanten Shor-Algorithmus sind mindestens 1.200 bis 1.450 fehlertolerante logische Qubits nötig, was technisch noch Jahre entfernt ist.
Fazit
Die jüngsten Gesetzesinitiativen des US-Kongresses markieren einen bedeutenden Schritt hin zu einer rechtssicheren Infrastruktur für institutionelles Krypto-Kapital. Durch die Verankerung einer staatlichen Bitcoin-Reserve und die Einführung klarer Steuerregeln wird das Vertrauen von Investoren gestärkt, während gleichzeitig Missbrauchsmechanismen wie Wash-Sales adressiert werden. Die Deutsche Bank ergänzt dieses Bild auf europäischer Seite, indem sie einen regulierten Verwahrungsdienst für große Kunden vorbereitet.
Dennoch bleiben wesentliche Unsicherheiten bestehen: Der Gesetzgebungsprozess ist noch nicht abgeschlossen, die technische Bedrohung durch zukünftige Quantencomputer ist real, und das Feld der Cloud-Mining-Angebote ist nach wie vor von überhöhten Renditeversprechen geprägt. Anleger sollten daher die regulatorischen Fortschritte kritisch begleiten, die technologischen Entwicklungen beobachten und insbesondere bei riskanten Angeboten Vorsicht walten lassen.







