Ein antikes hölzernes Schreibtisch mit einem ledergebundenen Gesetzbuch, einem Hardware-Wallet und gestapelten Goldmünzen in

Rechtliche Grundlagen und Marktchancen der tokenisierten Wertrechte

Die Tokenisierung traditioneller Finanzinstrumente gewinnt zunehmend an Bedeutung, weil Finanzinstitutionen ihre Produkte effizienter, skalierbarer und digitaler abwickeln wollen. Zugleich zeigen sich strukturelle Hürden – von sinkender Liquidität über regulatorische Grenzen bis hin zu technischen Fragmentierungen – die den Erfolg des Systems maßgeblich bestimmen. Der vorliegende Artikel fasst die wichtigsten Fakten zu rechtlichen Grundlagen, globalen Marktchancen und aktuellen institutionellen Projekten zusammen und beleuchtet, warum die Schweiz mit ihrem Registerwertrecht eine Vorreiterrolle einnimmt.

Rechtlicher Rahmen für tokenisierte Wertrechte in der Schweiz

Die Schweiz ist als einziger westlicher Staat mit einem klaren Rechtsrahmen für registerbasierte Token ausgestattet. Das Registerwertrecht ist im Schweizer Obligationenrecht (Art. 973d ff. OR) verankert und trat am 1. Februar 2021 in Kraft, unmittelbar nach dem DLT-Gesetz. Durch diese Regelung wird der Eigentümerwechsel einer digitalen Wertposition mittels Ledger-Transaktion unmittelbar zivilrechtlich wirksam. Diese rechtliche Sicherheit schafft die Grundlage für Initiativen wie TVL Capital, welche die technische Infrastruktur für sogenannte Chain-Traded Products (CTPs) bereitstellen.

  • Art. 973d ff. OR definiert registerbasierte Token als Eigentumsrechte, die über ein Ledger übertragen werden können.
  • Einführung am 1. Februar 2021 nach dem DLT-Gesetz (Quelle S4).
  • Ermöglicht die zivilrechtliche Wirksamkeit von Token-Transfers ohne separate notarielle Beurkundung.
  • Unterstützt konkrete Projekte: TVL Capital, Chain-Traded Products, Swiss Structured Products Association (SSPA).

Praxisbeispiel: TVL Capital und die SSPA

TVL Capital wurde von der SSPA als Partner-Broker aufgenommen. Das Unternehmen entwickelt eine Blockchain-Infrastruktur, die Banken ermöglicht, bestehende strukturierte Produkte tokenisiert abzubilden, ohne deren ökonomische Merkmale zu verändern. Der Beitritt erhöht die SSPA-Mitgliederzahl auf 58 und deckt inzwischen mehr als 95 % des Schweizer Markvolumens für strukturierte Produkte ab (Infos aus dem News-Abschnitt).

Globale Marktchancen tokenisierter Finanzanlagen bis 2030

Internationale Marktforschungen von McKinsey & Company sowie der Boston Consulting Group quantifizieren das Wachstumspotenzial tokenisierter Vermögenswerte erheblich:

  • Gesamter Marktwert tokenisierter Finanzanlagen bis 2030: 2 Billionen USD (McKinsey, 2024, Quelle S1).
  • Tokenisierter Fondsmarkt bis 2030: 600 Milliarden USD – vor allem Geldmarktfonds und festverzinsliche Instrumente (BCG, 2024, Quelle S3).

Diese Zahlen bilden den Kontext für institutionelle Pilotprojekte wie Aviva’s Investition von 50 Millionen Pfund in einen tokenisierten Fondsanteil auf dem XRP-Ledger.

Technische und regulatorische Hürden

Obwohl das regulatorische Umfeld in der Schweiz bereits robust ist, zeigen weitere Analysen strukturelle Schwächen, die die breite Adoption gefährden.

Liquiditätsverluste

Der Bestand an Stablecoins auf Ethereum sank innerhalb von 30 Tagen um 2,9 Milliarden USD, was einen Rückgang von 2 % darstellt. Der absolute Wert lag dabei bei rund 143 Milliarden USD (Quelle Ethereum-Stablecoin-Report). Dieser Rückgang illustriert, dass reine Token-Emissionen nicht automatisch dauerhafte Liquidität erzeugen.

Regulatorische Risiken laut BIZ

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) betont, dass private Stablecoins nicht ausreichen, um das Settlement-Risiko zu eliminieren. Die Kernanforderung für eine sichere tokenisierte Abwicklung lautet Delivery-versus-Payment (DvP) in risikofreiem Geld (CPMI-Empfehlung 2024, Quelle S2). Ohne zentrale, riskofreie Schnittstellen bleibt der Nutzen schneller, sicherer Abwicklungen fraglich.

Technische Fragmentierung

Ein weiterer Risikofaktor ist die Fragmentierung durch isolierte Blockchains. Wenn Institute eigene Tokenisierungsplattformen nutzen, zerfällt die Liquidität in separate Ökosysteme, wodurch die Effizienz sinkt. Dieser Punkt wird als “Fragmentierung durch isolierte Blockchains” in den Counter-Points hervorgehoben.

  • Fragmentierung führt zu gespaltenen Liquiditätspools.
  • Unzureichende Nachfrage kann den Markt trotz technischer Reife stagnieren lassen.

Aktuelle institutionelle Projekte und ihre Bedeutung

Mehrere konkrete Initiativen zeigen, wie die Tokenisierung bereits in der Praxis umgesetzt wird:

  • Aviva Investors: Investition von 50 Mio GBP in eine tokenisierte Anteilsklasse des Sterling Liquidity Fund auf dem XRP-Ledger (Netto-Investment 50 Mio GBP, verwaltetes Fondsvolumen ~22 Mrd GBP).
  • Ripple & BNY Mellon: Ausbau der Verwahrung von XRP und dem Stablecoin RLUSD; BNY unterstützt jetzt die direkte Ausgabe und Rücknahme von RLUSD sowie tokenisierte Handelsfinanzierung auf dem XRP-Ledger. Marktkapitalisierung RLUSD: rund 2,5 Mrd USD; BNY verwahrt Vermögenswerte im Wert von 63,4 Billionen USD (Stand 30. Sept 2026).
  • Soneium: Plant ein KI-Lizenzsystem und eigene Token, verzeichnet jedoch einen dramatischen Rückgang der DeFi-Einlagen von 203 Mio USD (Mai 2025) auf 9,4 Mio USD (aktuell), ein Rückgang von 95 %.
  • TVL Capital: Ermöglicht die Tokenisierung strukturierter Produkte ohne Änderung der wirtschaftlichen Parameter, unterstützt durch das schweizerische Registerwertrecht.

Gleichzeitig zeigen konträre Signale: Während US-Spot-ETFs auf XRP Nettoabflüsse von 3,61 Mio USD verzeichnen, entstehen auf dem XRP-Ledger neue Finanzanwendungen, die tokenisierte Fondsanteile und kurzfristige Zahlungsfinanzierung ermöglichen.

FAQs zur Tokenisierung in der Schweiz

Warum werden Registerwertrechte in der Schweiz wichtig?Die Schweiz hat rechtliche Regelungen geschaffen, die ermöglichen, den Eigentümerwechsel durch Ledger-Transaktion festzulegen. Dies macht die Tokenisierung regulierter Wertpapiere rechtsverbindlich und unterstützt Initiativen wie TVL Capital.Welche Herausforderungen drohen tokenisierten Finanzprodukten?Liquidität ist ein zentraler Nachteil. Private Stablecoins bergen Settlement-Risiken, und ohne einheitliche Schnittstellen bleibt die Skalierbarkeit in Einzelnetzwerken fragwürdig.

Fazit

Die tokenisierte Transformation traditioneller Finanzinstrumente steckt bereits in einer entscheidenden Phase: Rechtsrahmen wie das Registerwertrecht der Schweiz schaffen die juristische Voraussetzung, während globale Marktprognosen von 2 Billionen USD bis 2030 ein enormes Wachstumspotenzial anzeigen. Gleichzeitig verdeutlichen aktuelle Daten – etwa der Rückgang von Stablecoin-Beständen auf Ethereum, die kritischen Empfehlungen der BIZ zu DvP-Abwicklungen und die stark fragmentierten Liquiditätspools – dass strukturelle und regulatorische Hürden nicht zu unterschätzen sind. Institutionelle Projekte von TVL Capital, Aviva, Ripple & BNY Mellon und anderen beweisen, dass die Technologie bereits Anwendung findet, doch langfristiger Erfolg hängt von nachhaltiger Nachfrage, interoperablen Schnittstellen und soliden Settlement-Mechanismen ab. Nur wenn diese Faktoren zusammenwirken, kann die Tokenisierung von Finanzprodukten zu einem stabilen, skalierbaren und echten Mehrwert für den globalen Kapitalmarkt werden.